Sonderausstellung photoCORONA der photoMÜNCHEN 20 online:

In der Sonderausstellung photoCORONA zeigten Fotografen ihren Blick auf die Nation in Zeiten von Corona. Die Idee war es, zu zeigen, wie kreative Köpfe mit der Pandemie-Krise umgehen, die teilweise existenziell von dieser betroffen sind. Entstanden sind individuell fotografische Arbeiten, die die Verarbeitung der globalen Pandemie zeigen – persönlich, intim und schön.

Mein Beitrag “Sehnsucht nach früher” 

Diese Fotografien wirken wie aus der guten alten Zeit der 50 und 60er Jahre. Sie erzählen von einer „heilen“ Welt. Die Sehnsucht nach diesem unbeschwerten Leben spüre ich gerade jetzt in der Coronazeit besonders bei den Menschen. Durch die erlebten Lockdowns sind viele auf sich alleine gestellt und auf ungeahnte Weise plötzlich mit sich selbst konfrontiert. Masken, Abstands- und Hygieneregeln belasten die Gemüter. Die sonst übliche Flucht vom Alltag in die Ferne wird durch die Reisebeschränkungen verhindert. Gerade junge Menschen, die eigentlich hinaus in die Welt möchten, werden jäh ausgebremst. Sinnfragen werden gestellt. Und es besteht die Hoffnung, dass wir durch diese Krise über unsere Gewohnheiten nachdenken und verstehen, dass das “Höher, Schneller, Weiter” am Ende ist.

Gerade diese kitschige Sinfonie aus der Weite des Horizonts, dem Rauschen der Brandung, dem Geschmack von aufgewühltem Salzwasser, dem Gefühl von Sand unter den umspülten Füßen und dem Wind auf sonnengewärmter Haut hilft zu begreifen, dass wir jetzt aktiv werden müssen, damit auch unsere Enkelkinder diese Lebensfreude noch erleben können.

Die malerische Anmutung und Komposition der Bilder entsteht direkt im photografischen Prozess.

Zu den einzelnen Bildern: 

Bild 1 – Ein Tag am Meer

Ein unbeschwerter Spaziergang am Strand – zurzeit ein Traum. Durch die Aufnahmeart mutet das Bild an wie eine Zeichnung bzw. eine alte Fotografie aus den 50er oder 60er Jahren. Trotz einiger Menschen wirkt alles harmonisch und unberührt. Manch einer, der aufgrund der Corona-Situation plötzlich auf sich alleine gestellt ist und Angst vor der Zukunft hat, wünscht sich hierher, in die heile Welt. Zumal für mich diese Zeit in Deutschland für Aufbau, Bewegung und Selbstermächtigung steht. Man hat sein Glück selbst in die Hand nehmen können.

Bild 2 – Bondi beach

Legendär ist der Strand von Bondi, dort tummeln sich Surfer und Sonnenanbeter auf einem Abschnitt von einem Kilometer. Er ist der Inbegriff von Lebensfreude, Ausgelassenheit und Lifestyle und stellt gerade genau das Gegenteil unserer Alltagsrealität in einem nebligen, kalten Deutschland mit Abstands- und Hygieneregeln dar.

Bild 3 – Lifeguards hut

Zeugen einer vergangenen Zeit: die Aussichtstürme an den australischen Stränden. Sie werden nicht mehr genutzt, da sie zu weit weg von der Brandung sind. Sie sind für mich trotzdem ein Symbol des Miteinanders, des aufeinander Achtens. Sie dienen dazu, Leben zu retten.

Bild 4 – With Mummy

Was gibt es schöneres als gemeinsam als Familie am Strand, Sommer, Sonne und das Meer zu genießen und unter dem Schutz der Mutter die Wellen zu erkunden? Ob das Kind wohl in Zukunft mit seinem eigenen Nachwuchs dieses wunderbare Naturereignis noch so unbeschwert erleben kann?

Bild 5 – Beachlife

Ein Paar genießt das Gefühl von Sand unter den umspülten Füßen und dem Wind auf sonnengewärmter Haut. Wohl demjenigen, der in der Coronazeit nicht auf sich alleine gestellt ist, sondern sich mit (einem) anderen Menschen über folgende Fragen austauschen kann, um gereift aus der Krise hervor gehen zu können:

– Was ist mir/uns wirklich wichtig?
– Was können wir tun, damit die Sehnsucht nach früher transformiert werden kann in eine lebenswerte Zukunft?