Bild 1, kuratiert für die Ausstellung “Springen” bei der “Biennale Blau” im Blauen Haus in Dießen am Ammersee

Vom Springen zu träumen ist einfacher als wirklich zu springen. Das, was ich mir oft in meinen Träumen vorstelle hat zwar noch keine Farbe, doch ich nehme es klar und einfach wahr. Wenn es dann zur Umsetzung kommt, erlebe ich vielfach, dass alle Klarheit verschwindet. Andere innere Kräfte wirken plötzlich. Der Kopf wird aktiv mit seinen Bedenken. Das, was mein Herz klar gesehen hat, wird verschwommen, wirkt bedrohlich: Angst macht sich breit und Ungewissheit wächst. Will ich wirklich springen? Wie wird es danach sein, wenn ich den Sprung wage? Die Selbstablenkung setzt ein: Vielleicht reicht es mir auch, nur auf den Turm zu klettern und die Aussicht zu genießen…Zeit, sich zu seinem Ziel zu bekennen. Die Unsicherheit hält an, mit wackligen Beinen nehme ich die erste Stufe auf den Turm. Das weiche Licht des herannahenden Tages hilft mir mental und der Turm gibt mir Halt, denn noch habe ich festen Boden unter den Füßen. Mit jedem Schritt wächst mein Selbstvertrauen. Ich mache mir bewusst, dass ich jederzeit selbst entscheiden kann, wie ich mich meinem Ziel nähere: wähle ich erst einmal die niedrigste Höhe, probiere aus, sammle meine Erfahrungen und mein Erleben? Dann kann ich neu entscheiden, was ich möchte, bevor ich mich auf die höheren Ebenen wage. Oder bin ich so mutig und springe gleich vom höchsten Punkt? Ich wache auf.

Der Sprungturm des Uttinger Strandbades ist für mich das Symbol für „Springen“ am Ammersee. Mit seiner formschönen Holzarchitektur fügt er sich auf angenehme Weise in unsere Kulturlandschaft ein. Er steht für mich für Mut, die eigenen Grenzen zu testen, Spaß und einen Augenblick der Schwerelosigkeit. Je nach dem, wie mutig ich bin, kann ich die Zeit selbst bestimmen.